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Yoga im Alter

Yoga im Alter – oder genauer gesagt:

der Moment, in dem man denkt...

„Das geht nicht mehr so gut“....

Es passiert oft ganz leise.

Nicht an einem bestimmten Geburtstag und meistens auch nicht plötzlich. Eher in kleinen Momenten des Alltags. Man sitzt auf dem Boden und merkt, dass das Aufstehen früher leichter war. Die Arme fühlen sich beim Strecken irgendwie kürzer an. Das Sitzen auf den Fersen wird unangenehm. Oder man beginnt, bestimmte Bewegungen einfach wegzulassen, ohne groß darüber nachzudenken.

Und genau dort beginnt häufig der eigentliche Veränderungsprozess.

Nicht das Alter selbst ist das Problem, sondern die langsame Gewöhnung daran, Dinge nicht mehr zu tun.

Der Körper ist erstaunlich anpassungsfähig – in beide Richtungen. Was regelmäßig benutzt wird, bleibt länger erhalten. Was vermieden wird, baut der Körper nach und nach ab. Das betrifft nicht nur Kraft, sondern auch Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Muskelmasse bereits ab dem mittleren Erwachsenenalter langsam abnimmt und dieser Prozess sich mit zunehmendem Alter beschleunigt. Gleichzeitig reagieren Gelenke empfindlicher auf Bewegungsmangel, und auch Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit verändern sich.

Das klingt erstmal ernüchternd, ist aber eigentlich eine gute Nachricht. Denn der Körper reagiert weiterhin auf Bewegung. Selbst später begonnenes Training kann Kraft, Beweglichkeit und Stabilität verbessern. Der menschliche Körper bleibt lernfähig – deutlich länger, als viele glauben.

Genau deshalb ist Bewegung im Alter keine Luxusidee und auch kein sportliches Extra. Sie gehört zur körperlichen Grundversorgung. Die Weltgesundheitsorganisation weist seit Jahren darauf hin, dass regelmäßige Bewegung entscheidend dafür ist, Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität zu erhalten.

Ich merke das übrigens auch bei mir. In letzter Zeit habe ich meine eigene Übungspraxis wieder deutlich intensiviert, weil ich gemerkt habe, dass sowohl meine Durchhaltekraft als auch meine Geschmeidigkeit etwas nachgelassen haben. Nicht dramatisch. Aber spürbar. Und genau das meine ich: Der Körper sendet relativ früh kleine Signale.

Früher hätte ich vielleicht gedacht:

„Naja, das ist eben das Alter.“

Heute denke ich eher:

„Gut. Dann ist es Zeit, wieder genauer hinzuschauen und konsequenter zu üben.“

Genau aus diesem Gedanken heraus habe ich auch die neuen Praxis-Abos im Yoga-Haus eingerichtet.
Denn ich erlebe immer wieder, dass viele Menschen eigentlich regelmäßig üben möchten, im Alltag aber schnell aus dem Rhythmus fallen. Dabei reagiert gerade der ältere Körper erstaunlich positiv auf Kontinuität. Nicht auf Höchstleistung – sondern auf regelmäßige, sinnvolle Praxis.

Im Iyengar-Yoga geht es nicht darum, besonders akrobatisch zu sein oder sich möglichst weit zu dehnen. Es geht darum, Bewegungen bewusst auszuführen und den Körper so auszurichten, dass Kraft, Beweglichkeit und Stabilität sinnvoll zusammenarbeiten können. Hilfsmittel wie Stühle, Klötze oder Gurte helfen dabei, Yoga an den Menschen anzupassen – nicht umgekehrt.

Viele Menschen erleben dadurch etwas sehr Erleichterndes: Sie müssen nicht erst beweglich werden, um Yoga machen zu können. Sie beginnen dort, wo sie gerade stehen.

Und vielleicht ist genau das der eigentliche Punkt beim Älterwerden:
nicht gegen Veränderungen anzukämpfen, sondern dem Körper aufmerksam genug zuzuhören, bevor er sich immer weiter zurückzieht.

Denn eigentlich geht es nicht darum, mit siebzig noch den Spagat zu beherrschen. Aber vielleicht darum, weiterhin bequem auf dem Boden sitzen, die Arme frei heben oder die eigenen Schuhe anziehen zu können, ohne darüber nachdenken zu müssen. Und ehrlich gesagt: Das ist ziemlich viel wert.

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