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Gurte, Klötze & Decken - wozu eigentlich?

Wer zum ersten Mal in eine Iyengar-Yogastunde kommt, wundert sich manchmal:
Warum liegen hier so viele Decken?
Wozu braucht man einen Gurt, wenn man doch „beweglich werden“ will?
Und was genau soll dieser Klotz unter dem Fuß?

Kurz gesagt:
Hilfsmittel sind im Iyengar-Yoga keine Krücke, sondern ein Werkzeug.

Hilfsmittel sind kein Zeichen von Schwäche

Ein weit verbreiteter Gedanke lautet:

„Wenn ich Hilfsmittel brauche, kann ich die Haltung wohl noch nicht.“

Im Iyengar-Yoga ist es genau andersherum.
Hilfsmittel werden eingesetzt, damit eine Haltung klarer, sicherer und bewusster geübt werden kann – unabhängig von Alter, Beweglichkeit oder Tagesform.

Nicht das „Wie weit?“ zählt, sondern das Wie.

Der Gurt – Verbindung statt Verrenkung

Der Yogagurt:

  • verlängert Arme oder Beine

  • schafft Verbindung zwischen Körperteilen

  • verhindert unnötiges Ziehen oder Zerren

Statt sich irgendwo festzuhalten oder zu verkrampfen, ermöglicht der Gurt:

  • ruhiges Halten

  • gleichmäßige Arbeit

  • bewusste Ausrichtung

Man übt mit dem Körper, nicht gegen ihn.

Der Klotz – Boden, wo er gebraucht wird

Der Klotz bringt den Boden näher.
Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Vernunft.

Er:

  • unterstützt Gleichgewicht

  • reduziert Überlastung

  • schafft klare Bezugspunkte

So kann sich der Körper dort ausrichten, wo es sinnvoll ist – statt sich durch Ausweichbewegungen „irgendwie“ in eine Haltung zu retten.

Die Decke – Stabilität, nicht Kuschelfaktor

Decken sind im Iyengar-Yoga echte Allrounder:

  • sie unterlegen

  • erhöhen

  • stabilisieren

  • entlasten Gelenke

Und ja: Sie sorgen auch für Wärme – aber vor allem für Präzision.
Eine gut platzierte Decke kann mehr Wirkung haben als zehn Wiederholungen ohne Klarheit.

Hilfsmittel schulen Wahrnehmung

Ein oft unterschätzter Aspekt:
Hilfsmittel geben Feedback.

Der Körper spürt:

  • Wo trage ich Gewicht?

  • Wo bin ich asymmetrisch?

  • Wo halte ich unnötig fest?

So entsteht Lernen von innen heraus – nicht durch Nachahmen, sondern durch Erfahrung.

Für wen sind Hilfsmittel gedacht?

Die ehrliche Antwort: für alle.

  • Anfänger:innen profitieren von Sicherheit

  • Fortgeschrittene von Präzision

  • Menschen mit Beschwerden von Entlastung

  • Erfahrene Übende von Tiefe

Hilfsmittel passen sich dem Menschen an – nicht umgekehrt.

Fazit

Gurte, Klötze und Decken sind im Iyengar-Yoga kein Extra.
Sie sind Teil der Methode.

Sie machen Yoga:

  • zugänglicher

  • sicherer

  • klarer

  • nachhaltiger

Oder etwas salopper gesagt:
Mit Hilfsmitteln wird Yoga nicht leichter – sondern intelligenter.

Warum Hilfsmittel im Yoga nichts mit "leichter" zu tun haben. 

(ein kleiner Realitätscheck)

Es gibt Sätze, die tauchen im Yoga zuverlässig auf.
Einer davon lautet:

„Ich nehme lieber kein Hilfsmittel – ich will’s ja richtig machen.“

Das klingt erstmal motiviert.
Ist aber ein Missverständnis.

Denn im Yoga – zumindest im Iyengar-Yoga – geht es nicht darum, ohne etwas auszukommen,
sondern darum, mit dem zu arbeiten, was da ist. Und zwar sinnvoll.

Der Mythos vom „echten“ Yoga

Irgendwann hat sich die Idee eingeschlichen, dass Yoga besonders „authentisch“ sei,
wenn man möglichst wenig benutzt, möglichst weit kommt und möglichst entspannt dabei aussieht.

Das Problem:
Der Körper interessiert sich herzlich wenig für Ideale.
Er reagiert auf Ausrichtung, Klarheit und Aufmerksamkeit.

Und genau da kommen Hilfsmittel ins Spiel.

Hilfsmittel machen nichts einfacher – sie machen es ehrlicher

Ohne Unterstützung kann man vieles kaschieren:

  • Asymmetrien

  • fehlende Stabilität

  • ungünstige Bewegungsmuster

Mit Hilfsmitteln wird es schwerer, sich etwas vorzumachen.
Man bleibt länger in einer Haltung, spürt genauer und merkt schneller, wo man ausweicht.

Das fühlt sich nicht unbedingt leichter an – eher im Gegenteil.

Warum „ohne“ oft der bequemere Weg ist

Ganz ehrlich:
Ohne Hilfsmittel kann man schneller wieder rausgehen.
Man kann sich bewegen, bevor man wirklich angekommen ist.
Man kann sagen: „Passt schon.“

Mit Hilfsmitteln wird man eingeladen, zu bleiben,
zu beobachten,
nachzujustieren
und Verantwortung für die eigene Ausrichtung zu übernehmen.

Das ist kein Schonprogramm.
Das ist Präzisionsarbeit.

Hilfsmittel und Ego – ein sensibles Thema 😄

Viele Menschen verzichten nicht aus körperlichen Gründen auf Hilfsmittel,
sondern aus inneren.

Da meldet sich gern eine leise Stimme:

„Das müsste ich doch können.“

Iyengar-Yoga antwortet darauf ziemlich nüchtern:

„Vielleicht. Aber die Frage ist: Wie sinnvoll ist es gerade?“

Yoga ist kein Wettbewerb – auch keiner mit dem eigenen Idealbild.

Worum es eigentlich geht

Hilfsmittel sind kein Ziel.
Sie sind auch kein Dauerzustand.

Sie sind Werkzeuge, um:

  • Wahrnehmung zu schulen

  • Überlastung zu vermeiden

  • Klarheit in die Haltung zu bringen

  • Lernen nachhaltig zu machen

Und manchmal auch, um das Ego ein kleines Stück zu entspannen.

Fazit

Hilfsmittel machen Yoga nicht leichter.
Sie machen es präziser, bewusster und nachhaltiger.

Oder etwas salopper gesagt:
Wer Hilfsmittel nutzt, nimmt Yoga ernst –
nicht sich selbst zu wichtig 😉

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